Startseite
Startseite
swimpool Startseite Interaktiv Kleinanzeigen und Stellenmarkt Suchen Hilfe
Startseite Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssport
 

 

Zusammenfassung der Evaluation des Qualitätszertifikat Breitensport "Gesund & fit im Wasser" im Schwimmverband NRW

von Raphaela Tewes / Dr. Hellmut Schreiber Fakultät für Sportwissenschaft Ruhr Universität Bochum

Untersuchungsverlauf und Darstellung der Ergebnisse
Teil 2

Konsequenzen aus der Evaluation des Qualitätszertifikat Breitensport "Gesund und fit im Wasser"

Aus den Ergebnissen der Untersuchung sind unterschiedliche Ansatzpunkte und Konsequenzen zur Verbesserung bzw. Qualitätssteigerung des Qualitätszertifikat Breitensport "Gesund und fit im Wasser" zu erkennen. Diese zeigen sowohl Hilfestellungen zur Optimierung in der Durchführung der Angebote, als auch in der Übungsleiterausbildung (Aus-, Fort- und Weiterbildungssystem) für die weitere Entwicklung des Qualitätszertifikats auf.

Kompetente Beratung
Grundsätzlich ist das Bedürfnis nach Begleitung, Hilfestellung und Unterstützung bzw. die Unsicherheit über Sinn und Inhalte des Qualitätszertifikat Breitensport der Durchführenden bzw. der Vereinen zum Teil sehr groß. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass inhaltliche Schwerpunkte sowie der Adressatenbezug unter dem gesundheitsorientierten Aspekt der zertifizierten Angebote für die zertifizierten Vereine bzw. durchführenden Personen noch nicht klar und deutlich genug geworden ist. Dies kann nicht einfach mit der Unfähigkeit der Vereine bzw. Übungsleiter/Trainer erklärt werden, sondern zeigt die Notwendigkeit der Entwicklung von inhaltlichen Mindestanforderungen, verknüpft mit den verschiedenen Adressatengruppen und dem Angebotsspektrum des Bewegungsraums Wasser, auf. Die Frage: "Welches Angebot entspricht einer Zertifizierung?" muss für den Bewegungsraum Wasser grundlegend geklärt werden.

Komplexe Umsetzung
Zwei sich aufeinander beziehende Kompasse sollen diese komplexe Umsetzung der Mindestanforderungen von inhaltlichen Schwerpunkten und für die Adressaten darstellen.

Abb. 2: Kompass I. Mindestanforderungen inhaltlicher Schwerpunkte eines gesundheitsorientierten Angebots im Bewegungsraum Wasser

Um die erforderlichen Mindestanforderungen für das zu zertifizierende Angebot zu erarbeiten, ist der Kompass von innen nach außen zu lesen. Es ist dabei zu beachten, dass diese inhaltlichen Schwerpunkte immer umfassend verstanden werden müssen. D.h. es werden sowohl physische, als auch psycho-soziale Ressourcen berücksichtigt (im Innenkreis dargestellt). Jedes Angebot berücksichtigt somit sowohl die Verminderung von Risikofaktoren, als auch die Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden. Zur weitern Strukturierung und Einordnung der zu bestimmenden Angebote ist der Adressatenbezug zu berücksichtigen (vgl. Abb. 3).

Abb. 3: Kompass II. Mindestanforderungen für adressatenbezogene gesundheitsorientierte, präventive Angebote im Bewegungsraum Wasser

Der Kompass II. ist aufbauend auf den Kompass I. zu verwenden. Gesundheitsorientierte, inhaltliche Schwerpunkte aus Kompass I. werden adressatenbezogen, Segmentweise von innen nach außen bestimmt. Stimmen die Ergebnisse des zu bestimmenden Angebots mit den organisatorischen (vgl. Tab. 2), inhaltlichen (vgl. Abb. 2) und adressatenbezogenen (vgl. Abb. 3) Mindestanforderungen überein, entspricht das Angebot einer Zertifizierung mit dem Qualitätszertifikat Breitensport. Die vielfältigen Dimensionen von Gesundheit, die ein gesundheitsorientiertes Sportangebot im Bewegungsraum Wasser unter spezifischer Schwerpunktsetzung und Adressatenbezug haben kann wird somit deutlicher benannt und festgeschrieben.

Organisatorische Mindestanforderungen
Neben den inhaltlichen, müssen auch organisatorische Mindestanforderungen an die zertifizierten Angebote gestellt werden, damit diese einer Zertifizierung entsprechen. Aus den Ergebnissen der Untersuchung lässt sich schließen, dass die Rahmenbedingungen der zertifizierten Vereine den Qualitätskriterien des zukünftig geltenden Qualitätssiegel Sport pro Gesundheit entsprechen. Zur weiteren Optimierung der organisatorischen Struktur dieser Angebote sollte eine deutlichere, zeitliche Einteilung der Angebote erfolgen.

Rahmenbedingungen
Angebotsform
Einheiten in UE (45 min.)

Räumlich:
- Wasserfläche,
- Wassertemperatur,
- Wassertiefe,
- Ausstattung mit funktionalem Übungsmaterial

Zeitlich mindestens:
1x wöchentlich 1 UE (45 min.)


Einsteigerkurs

mind. 12 UE


Aufbaukurs
mind. 12 UE
Fortlaufendes Angebot
dauerhaft

Tab. 2: Strukturelle, organisatorische Mindestanforderungen für zertifizierte Breitensportangebote

Ziel dieser einheitlichen organisatorischen Forderung ist die bessere Planbarkeit bzw. Nachvollziehbarkeit von gesundheitsorientierten, präventiven Inhalten in einem personenbezogenen Kurssystem und fortlaufendem Angebot.

Begründung für die Qualifikation zum Fachübungsleiter B Prävention !
Neben der Entwicklung von organisatorischen und inhaltlichen sinnvollen Mindestanforderungen muss ein weiterer Ansatzpunkt zur Verbesserung der Qualität des Qualitätszertifikats im Aus-, Fort- und Weiterbildungssystem von Übungsleitern und Trainern gesucht werden. Das benannte Anliegen der Vereine ihre fachliche, qualitative Kompetenz durch das Qualitätszertifikat nach außen zu tragen, kann nur durch ein entsprechend durchgeführtes Angebot verdeutlicht werden.

Da die Durchführungsqualität der Angebote eng mit der Kompetenz des Übungsleiters verknüpft ist, müssen Zielsetzungen und Inhalte der Ausbildung auf der ersten und zweiten Lizenzstufe sowie der Fortbildungslehrgänge grundlegend reflektiert und überprüft werden. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die Teilnehmer der zertifizierten Angebote gesundheitliche Ratschläge von den Übungsleitern/Trainern erwünschen. Es ist ebenfalls im Interesse der Übungsleiter/Trainer ihrerseits gesundheitliche Ratschläge an die Teilnehmer weiterzugeben. Um diese Ansprüche und Anforderungen zu erfüllen, muss der Übungsleiter/Trainer ein umfassendes theoretisches und praxisorientiertes, ganzheitliches Wissen von Gesundheit und deren verschiedenen Aspekten haben.

Um die Qualifikation der Übungsleiter/Trainer, d.h. deren Handlungskompetenz, zu entwickeln und zu verbessern, ist es notwendig, die bestehende Zielsetzungen und Inhalte in den Fort- und Ausbildungslehrgängen auf eine ganzheitliche, umfassende präventive Gesundheitsorientierung in Theorie und Praxis zu überprüfen. Insbesondere die Betrachtungsweise von Gesundheit und Gesundheitsförderung muss in den Aus- und Fortbildungslehrgängen noch deutlicher erweitert werden. Das Verständnis von Gesundheit darf nicht hauptsächlich biologisch-medizinisch betrachtet, d.h. an körperlichen, objektivierbaren Defiziten festgemacht werden, sondern muss interdisziplinär verknüpfend verstanden werden.

Abb. 43: Verschiedene Aspekte von Gesundheit
(vgl. SCHREIBER 2001)

Konsequenzen für den Verband und Verein
Abschließend sollen die sich ergebenen Konsequenzen für den Verband und Verein dargestellt werden. Im Allgemeinen wurde die Unterstützung des SV NRW bei der Ein- und Durchführung des Qualitätszertifikats Breitensport als positiv bewertet. Jedoch wünschen sich die Vereine in Bezug zum Qualitätszertifikat mehr inhaltliche Begleitung und Unterstützung z.B. mehr Öffentlichkeitsarbeit, Hilfestellungen zur Findung von Kooperationspartnern etc.. Um entsprechende Lösungsansätze zu entwickeln ist die Zusammenarbeit zwischen Verband, Verein und fachlichen Kooperationspartnern, im Sinne der Qualitätsüberprüfung und -sicherstellung des Qualitätszertifikats, sinnvoll und notwendig. Geeignete Hilfestellungen, fachliches Wissen und praktische Erfahrungen können so effektiv gesammelt, reflektiert und weiterführend genutzt werden. Kommunikative Unklarheiten und Missverständnisse könnten somit grundsätzlich vermieden bzw. verringert werden.

Der Verein sollte zuvor eine grundsätzliche Reflexion über den Sinn, Nutzen bzw. Unsinnigkeit des Qualitätszertifikats machen. Es ist zu überprüfen, ob Gesundheitsförderung in das Profil des einzelnen Vereins passt. Es sind Fragen zu klären, von welcher Gesundheitsförderung ausgehend kann welche Form der Gesundheitsförderung in welchen Typus Verein umgesetzt werden. D.h. welche Möglichkeiten, Interessen des Vereins stehen im Vordergrund? Was ist für den Verein machbar? Die Forderung nach höheren Qualifikationen und medizinischen Standards kann eine zunehmende Professionalisierung des Vereins erforderlich machen und den Grundgedanken der Ehrenamtlichkeit und Gemeinschaft des Vereins erschüttern. Aufgabe ist es deshalb durch intensive Zusammenarbeit zwischen den Vereinen, dem Verband und fachwissenschaftlicher Begleitung kann hier gemeinschaftliche Lösungsansätze und Ziele zum Qualitätszertifikat Breitensport zu entwickeln.

zum Seitenanfang © Schwimmverband Nordrhein-Westfalen e.V. • info@swimpool.de
Letzte Aktualisierung: 06.04.2003 •  webmaster@swimpool.de