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Sportentwicklung und Wissenschaft — Belastungsteuerung und -kontrolle beim Aquajogging

Verhalten des Herzkreislaufsystems und des Stoffwechsels in unterschiedlichen Wassertiefen

S. Termühlen, S. Bartosch, Dr. H. Schreiber
Fakultät für Sportwissenschaft Ruhr Universität Bochum

Ergebnisse Untersuchung B:

Bei der Untersuchung B wurde die Flachwasser-Belastung verglichen zur Laufbandbelastung. Hierbei wurde unter anderem die O2-Aufnahme in bezug zur Herzfrequenz gemessen (vgl. Abb. 4).

Abb. 4: Darstellung der VO2-Werte beim Flachwasser-Aquajogging und bei der Laufbandbelastung in bezug zur Herzfrequenz

Abb. 4 zeigt die deutlich geringeren VO2-Werte beim Flachwasser-Aquajogging im Vergleich zur Laufbandbelastung. Im maximalen Bereich unterscheiden sich die Werte signifikant. Das Verhältnis der maximalen Sauerstoffaufnahme beim Flachwasser-Aquajogging zum Laufband beträgt im Durchschnitt 78,07% (Standardabweichung 4,72).Die Ursache hierfür ist in der Tatsache zu suchen, dass beim Aquajogging die Antigravitationsmuskeln weniger beansprucht werden, und somit auch kaum Sauerstoff von ihnen verbraucht werden (vgl. FRANGOLIAS und RHODES, 1995; SVEDENHAG und SEGER, 1992).

Ebenfalls die druckbedingte Unterstützung der Blutrückführung aus den Beinen, sowie die erleichterte Herzarbeit im Wasser dürfte zu einer Reduktion des Sauerstoffverbrauchs beitragen.

Weiterhin wurden geringere Herzfrequenzwerte beim Flachwasser-Aquajogging in bezug zum Laktatverhalten gemessen. Eine Ursache für die Herzfrequenzsenkung beim Aquajogging ist die Blutvolumenverschiebung, verursacht durch den hydrostatischen Druck im Wasser. Die Folge ist ein größeres Herzschlagvolumen und somit eine Reduktion der Herzfrequenz. In Verbindung mit dem Tauchreflex kommt es zu einer Reduktion von 10 bis 15 Schlägen pro Minute im Vergleich zum Laufband (vgl. VÖLKER, 1993). Im weiteren haben Wassertemperatur, Körpergröße und die Bewegungsqualität (vgl. YAMAJI et al. 1990), sowie die Leistungsfähigkeit und Motivation (vgl. BIS-HOP et al. 1989) Einfluss auf die kardiorespiratorische Anpassung.

Weiterhin zeigt die Untersuchung deutlich höhere Laktatwerte beim Flachwasser-Aquajogging in bezug zur O2-Aufnahme. Ursache für die höhere Laktatproduktion bei gleicher VO2 dürfte der erhöhte Wasserwiderstand beim Aquajogging sein. Auch die Atemmuskulatur muss gegen diesen Widerstand arbeiten. Die annähernd gleiche Muskelmasse, die beim Aquajogging und beim Laufbandlaufen eingesetzt wird, wird einer höheren Belastung trotz gleicher VO2 ausgesetzt.

Die maximalen Laktatwerte fielen jedoch auf dem Laufband deutlich höher aus als im Wasser (+32%). Dieser Sachverhalt ist durch die größere maximale VO2-Leistung beim Laufbandlaufen zu erklären. Hinzu kommt noch das tragende Gewicht des Probanden auf dem Laufband, während das Gewicht im Wasser nur noch, je nach Wassertiefe, bis zu 40% des Körpergewichts beträgt (bei 1,2m; NAKAZAWA et al. 1994).

Aufgrund der geringeren O2-Aufnahme, wurden beim Aquajogging weniger Kalorien als auf dem Laufband umgesetzt. Ein Kalorienverbrauch von ungefähr 340 kcal/h wurde beim Aquajogging bei einer Bewegungsfrequenz von 144 KH/min erreicht, während 2 m/s (7,2 km/h) Laufgeschwindigkeit auf dem Laufband benötigt wurden, um diesen Verbrauch zu gewährleisten. Im maximalen Bereich wurden auf dem Laufband durchschnittlich 113 kcal/h mehr umgesetzt (589 bis 476 kcal/h, +19,2%). Die Höchstwerte lagen beim Aquajogging bei 476 kcal/h, während sie bei der Laufbandbelastung 589 kcal/h betrugen.

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Fazit:

Sicherlich können die in dieser Untersuchung gewonnen Werte keine allgemeingültigen Aussagen zur Trainingssteuerung geben. Doch sie spiegeln einen Trend der Belastungsintensität bei unterschiedlichen Aquajogging-Formen wieder. Vor allem, die zum Teil recht hohen Standardabweichungen fordern eine individuelle Belastungsgestaltung.

Eine gute Möglichkeit hierfür bietet der angewandte Stufentest, der mit Hilfe eines Metronoms sehr exakt durchgeführt werden kann. Zur Messung der Herzfrequenz-Werte und damit zur Festlegung des optimalen Trainingsbereiches sind wasserdichte Pulsuhren mittlerweile sehr günstig im Handel erhältlich.

Beim Aquajogging muss bei vergleichbarer Belastung generell eine niedrigere Herzfrequenz als an Land beachtet werden. Allerdings müssen auch weitere Einflussfaktoren wie Motivation, Körpergröße, Trainingszustand oder Wassertemperatur berücksichtigt werden.

Aber auch die Vorgabe einer bestimmten Bewegungsfrequenz (Kniehübe/min) ist ein adäquates Mittel zur Belastungsregulierung und -kontrolle. Mit Vorsicht müssen die in der Literatur empfohlenen Werte betrachtet werden, denn diese können ganz individuell zu Über- aber auch zu Unterbelastungen führen. Mit Hilfe eines Metronoms oder mit rhythmischer Musik lässt sich so ein interessantes und motivierendes Training absolvieren.

Auch ein Laktattest wäre für eine individuelle Trainingsplanung sinnvoll. Abb. 2 zeigt die typisch exponentiell verlaufenden Laktatkurven beim Aquajogging (mit Ausnahme beim Tiefwasser-Aquajogging ohne Auftriebshilfe).

Die ebenfalls in dieser Untersuchung bestätigte hohe Korrelation zwischen Herzfrequenz und subjektiven Belastungsempfinden, lässt ebenfalls die BORG-Skala als ein geeignetes Mittel zur Belastungssteuerung zu. Jedoch ist zur Einschätzung der Belastung ein relativ hohes Maß an Körperwahrnehmung erforderlich.

Insgesamt bietet sich immer eine Kombination mehrerer Parameter zur Belastungskontrolle an. Welche Parameter gewählt werden, hängt stark von der Zielgruppe, den Trainingszielen und den technischen Möglichkeiten ab. Wichtig ist, dass die Werte zur Belastungsregulierung individuell beim Aquajogging ermittelt werden. Dabei müssen die Unterschiede zwischen Flachwasser- und Tiefwasser-Aquajogging, sowie mögliche Auftriebshilfen beachtet und miteinbezogen werden. Auf keinen Fall dürfen bedenkenlos die an Land ermittelten Werte ins Wasser übertragen werden.

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Literatur:

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Huey, L. / Forster, R. (1997) Aqua Training. The complete waterpower workout book. Vol. 2.

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Völker, K. / Madsen, O. / Lagerstrøm, D. (1993) Fit durch Schwimmen. Mit Übungsanleitungen für Anfänger und Fortgeschrittene. Erlangen

Wilke, Kurt / Fessler, Jutta (1999) Aquajogging: Ein vielseitiges Gesundheits- und Fitnesstraining. Wiebelsheim

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Letzte Aktualisierung: 06.04.2003 •  webmaster@swimpool.de